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Photovoltaik-Bilanz 2022: Rekordjahr für Solar

2022 war DAS Solarjahr! Wir werfen einen Blick zurück und ziehen Bilanz, wie sich der Ausbau von Photovoltaik in Deutschland entwickelt hat. Außerdem fassen wir zusammen, was sich politisch bewegt hat und was die gesetzlichen Änderungen im Detail für private PV-Anlagen bedeuten. Eins ist sicher: Solaranlagen lohnen sich jetzt noch mehr!

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Alle guten Dinge sind drei: So viel Solarstrom gab es noch nie

Das Solarjahr 2022 hatte es in sich: Gleich drei Monate in Folge konnten Photovoltaik-Anlagen hierzulande einen Rekord in der Stromproduktion verzeichnen. Damit trug Photovoltaik im Mai, Juni und Juli laut dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE jeweils gut ein Fünftel zum deutschen Strommix bei. Auch mit Blick auf das gesamte Jahr erzielte Solarstrom ein gutes Ergebnis: So erhöhte sich der Anteil von Photovoltaik an der gesamten Stromerzeugung auf 11,8 Prozent (2021: 9,7 Prozent). Insgesamt produzierten Solaranlagen im Jahr 2022 knapp 58 Terawattstunden (TWh) Strom, eine Steigerung um gut 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Blickt man zehn Jahre zurück, hat sich die Solarstromproduktion sogar verdoppelt. Die zahlreichen DZ4 Kund:innen in ganz Deutschland leisten einen wichtigen Beitrag zu dieser beeindruckenden Entwicklung!

In Summe trugen die erneuerbaren Energien aus Windkraft, Photovoltaik, Biomasse und Wasserkraft laut Fraunhofer ISE mit 49,8 Prozent fast die Hälfte zur Stromerzeugung bei (2021: 45,6 Prozent) und waren damit erneut die wichtigste Energiequelle in Deutschland. Leider stieg der Anteil von Braunkohle am Strommix auf 21,7 Prozent an (2021: 20,1 Prozent), ebenso wie die Steinkohle auf 11,3 Prozent (2021: 9,4 Prozent). Es gab aber auch positive News: Die Atomenergie verringerte ihren Anteil deutlich von 13,2 auf 6,7 Prozent. Grund hierfür war das Abschalten von drei der sechs verbliebenen Atomkraftwerke. Im Dezember 2021 gingen Brokdorf, Grohnde und Gundremmingen C endgültig vom Netz.

Photovoltaik boomt – in Deutschland, Europa und rund um den Globus

Die starke Solarstrom-Produktion hatte mehrere Gründe. Zum einen erlebte Deutschland laut Deutschem Wetterdienst im Jahr 2022 einen Sonnenschein-Rekord mit bundesweit durchschnittlich rund 2025 Stunden. Zum anderen legte der Photovoltaik-Ausbau deutlich zu: Mehr als 370.000 PV-Anlagen gingen 2022 neu ans Netz, wodurch die Gesamtanzahl auf über 2,5 Millionen Anlagen stieg. Dadurch erhöhte sich auch die installierte PV-Leistung deutlich. Insgesamt wurden 7,2 Gigawatt (GW) zugebaut, 36 Prozent mehr als im Vorjahr (2021: 5,3 GW).

Mit Blick auf die Bundesländer stach besonders Nordrhein-Westfalen hervor: Mehr als 76.000 zusätzliche PV-Anlagen konnte das bevölkerungsreichste Bundesland zum Ende des Jahres vorweisen. Den zweiten Platz belegte Bayern mit gut 70.000 neuen Solaranlagen. Aber auch die Stadtstaaten verzeichneten gute Erfolge und hatten den höchsten prozentualen Zuwachs im Bundesländer-Vergleich. Hier befand sich Hamburg mit knapp 38 % zusätzlicher PV-Anlagen auf dem ersten Platz, dicht gefolgt von Berlin (36%) und Bremen (35%).

Im europäischen Vergleich konnte sich Deutschland wie auch schon im Vorjahr erneut den ersten Platz sichern vor Spanien, Polen und den Niederlanden. Insgesamt wurden laut dem jährlichen Fortschrittsbericht des europäischen Photovoltaik-Verbands SolarPower Europe in den EU-Staaten rund 41 GW installiert, 47 Prozent mehr als noch 2021. Einer Analyse des britischen Think Tanks Ember zufolge sorgte Solarstrom dafür, die Gasknappheit abzumildern und bewahrte die europäischen Staaten vor einer Energiekrise. Der weltweite Zuwachs von Photovoltaik war sogar noch beachtlicher und stieg ersten Schätzungen zufolge um knapp 60 Prozent auf 268 GW!

Infografik von energy-charts.info zur Nettostromerzeugung in Deutschland 2022.

Infografik „Nettoerzeugung von Kraftwerken zur öffentlichen Stromversorgung.“ von energy-charts.info

Osterpaket: Erneuerbare Energien haben jetzt Vorrang

Nicht nur der Photovoltaik-Ausbau nahm deutlich zu, auch das Interesse in der Bevölkerung an Solarenergie ging steil nach oben. Laut einer Umfrage des Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) wünschen sich drei Viertel aller Hausbesitzer:innen eine Photovoltaik- oder Solarthermie-Anlage auf dem eigenen Dach, vor einem Jahr waren es „nur“ 30 Prozent. Diese positive Entwicklung hat einen konkreten Hintergrund: Die explodieren Energiepreise verschafften Solaranlagen und dem Ausbau erneuerbarer Energien neue Aufmerksamkeit. Die stark steigenden Kosten sowie die Abhängigkeit von russischen Gas- und Steinkohleimporten führten auch zu Änderungen der energiepolitischen Rahmenbedingungen.

Bereits im Koalitionsvertrag hatte die Bundesregierung im Herbst 2021 festgehalten, den „Ausbau der erneuerbaren Energien drastisch zu beschleunigen“. Aufgrund der angespannten Situation am Energiemarkt legte die Ampel-Koalition mit dem sogenannten Osterpaket neue Ausbauziele fest. So sollen 2030 mindestens 80 Prozent des verbrauchten Stroms aus erneuerbaren Energien stammen. In Bezug auf die Solarenergie sieht das Paket einen Ausbau von zurzeit rund 66 GW auf 215 GW im Jahr 2030 vor. Darüber hinaus legt das Gesetzespaket fest, dass künftig „die Nutzung erneuerbarer Energien im überragenden öffentlichen Interesse liegt und der öffentlichen Sicherheit dient“. Das bedeutet im Klartext: Erneuerbare Energien haben jetzt Vorrang!

Gesetzliche Änderungen für Photovoltaik im Jahr 2022

Um die neuen Ausbauziele zu erreichen, umfasst das Paket auch Änderungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Die Maßnahmen sollen unter anderem den privaten Betrieb von PV-Anlagen einfacher und finanziell attraktiver machen. Das neue EEG ist zum 1. Januar 2023 vollständig in Kraft getreten, einige Teile sogar schon früher. So gelten bereits seit dem 30. Juli 2022 höhere Einspeisetarife für Solarstrom aus Photovoltaik-Anlagen, die neu ans Netz gehen. Bei Solaranlagen bis 10 kW Leistung ist die Vergütung auf 8,2 Cent pro kWh gestiegen, für Anlagen bis 40 kW gibt es aktuell 7,1 Cent pro kWh. Hiervon profitieren alle PV-Anlagen, die bis 31. Januar 2024 in Betrieb genommen werden.

Außerdem entfällt die sogenannte Wirkleistungsbegrenzung, auch bekannt als 70-Prozent-Regelung, für alle neugebauten Anlagen bis 25 kW. Seit dem 1. Januar 2023 gilt dies durch das Energiesicherungsgesetz auch für Solaranlagen bis einschließlich 7 kW installierter Leistung, die bereits in Betrieb sind. Im Zuge des Osterpakets wurde zudem beschlossen, die Abschaffung der EEG-Umlage auf den 1. Juli 2022 vorzuziehen, um die Bevölkerung bei den hohen Stromkosten zu entlasten. Anlagenbetreiber:innen profitieren davon gleich doppelt, da für sie zusätzlich auch die EEG-Umlage auf den selbst produzierten Strom entfällt.

Zum Ende des Jahres folgten dann im Rahmen des Jahressteuergesetzes 2022 steuerliche Vereinfachungen für Betreiber:innen von PV-Anlagen. Ziel der gesetzlichen Änderungen ist es, bürokratische Hürden beim Betrieb von PV-Anlagen abzubauen und dadurch den Ausbau von Photovoltaik-Anlagen bundesweit zu fördern. Alle Anlagen mit einer Leistung bis 30 kWp auf Einfamilienhäuser sind automatisch von der Einkommenssteuerpflicht befreit. Dies gilt bereits rückwirkend für das Steuerjahr 2022 und sowohl für Solaranlagen, die bereits in Betrieb sind, sowie für neue Anlagen. Außerdem gilt ab 1. Januar 2023 bei der Umsatzsteuer für die Lieferung und die Installation von PV-Anlagen ein Steuersatz von null Prozent.

Fazit

Die Zahlen zeigen, dass der Ausbau der Solarenergie endlich an Fahrt aufgenommen hat. Das Tempo muss aber weiterhin beschleunigt werden. Denn für 2023 plant die Bundesregierung zusätzlich 9 GW PV-Leistung zu installieren, bis 2026 soll der Zubau auf 22 Gigawatt jährlich ansteigen. Gesetzesänderungen, um den Ausbau der erneuerbaren Energien zu fördern und bürokratische Hürden abzubauen, sind dabei einer von vielen notwendigen Schritten.

Es gibt immer noch viel Potenzial zur Verbesserung, nach wie vor bedeutet etwa der Netzanschluss einen erheblichen bürokratischer Aufwand bei der Installation einer Photovoltaikanlage. Zwar wurden mit dem EEG 2023 auch hier Änderungen beschlossen. Bis diese umgesetzt werden, wird aber noch etwas Zeit ins Land gehen. Bis 2025 sollen die Netzbetreiber ein bundesweit einheitliches Webportal für Netzanfragen anbieten. Die Bundesregierung plant zudem weitere Maßnahmen und hat jüngst ein zweiteiliges Solarpaket angekündigt. Darüber hinaus fehlen den Installationsbetrieben weiterhin Fachkräfte, um die PV-Anlagen auf die Dächer zu bringen. Wer überlegt, sich eine Solaranlage anzuschaffen, sollte deshalb nicht zu lange warten. Insgesamt lässt sich aber sagen: Durch die beschlossenen Gesetzesänderungen lohnt sich eine Solaranlage auf dem eigenen Dach jetzt noch mehr. Außerdem hilft jede einzelne Solaranlage, die Energiewende in Deutschland voranzutreiben und sorgt für mehr Unabhängigkeit in der Stromversorgung.