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Energiewende mal anders – mit Andreas Kühl

Liebe Leser:innen, für das heutige Interview haben wir uns mit dem Energiewende-Experten, Diplomingenieur und Energieblogger Andreas Kühl über erneuerbare Energien und die Energiewende unterhalten.

Herr Kühl beschäftigt sich schon seit vielen Jahren leidenschaftlich mit erneuerbaren Energien und Energieeffizienz im Gebäudesektor. Mit seinem fachlichen Hintergrund in Bauphysik und Elektrotechnik berichtet Herr Kühl seit 2006 auf seinem Energiewende-Blog energynet.de über alle Themen rund um die Energiewende.

 

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Herr Kühl, wie wird man vom Diplomingenieur zum hauptberuflichen Energieblogger? Können Sie ein paar Worte zu sich und Ihrer Laufbahn erzählen?

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Um mich mehr mit den Themen der Energiewende zu beschäftigen, habe ich 2000 mit einer Website begonnen. Ich wollte dort über energiesparendes Bauen und Solarenergie informieren. 2006 ist daraus dann das Blog geworden. Dieses ist über die Jahre angewachsen und ich habe immer mehr eigene Texte geschrieben. Ende 2011 wollte ich mich beruflich verändern und auch mehr Zeit für meine Kinder haben.

Daher habe ich begonnen, selbstständig zu arbeiten, mit Werbung im Blog und Texten für andere Unternehmen. So richtig zufrieden war ich aber nach einigen Jahren nicht mehr, daher habe ich wieder eine feste Stelle als Content-Manager angenommen. In der Zeit konnte ich mich sehr gut fachlich weiterentwickeln, sodass ich heute wieder gerne hauptberuflich als Energieblogger arbeite.

Wie ist Ihre Einschätzung: Sind wir in Deutschland auf einem guten Weg beim Umstieg auf 100 Prozent erneuerbare Energien?

Wir hatten 2020 einen Anteil von rund 46 Prozent erneuerbare Energien in der Stromversorgung. Das ist schon ein guter Fortschritt, den wir vor einigen Jahren nicht erwartet hätten. Aber die schwierigste Etappe haben wir noch vor uns. Denn wir müssen zeigen, dass eine Energieversorgung funktioniert, die sich nur auf erneuerbare Energien verlässt. Damit spielen virtuelle Kraftwerke, Speicher und die Sektorenkopplung eine wichtigere Rolle.

Was die Technologie betrifft, mache ich mir keine Sorgen, da gibt es schon sehr innovative Lösungen. Photovoltaik-Anlagen und Batteriespeicher werden zudem immer günstiger. Die Politik muss aber mitziehen und wir müssen die Menschen mitnehmen, um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen.

Gibt es Themen, die Ihrer Meinung nach in der Debatte um die Energiewende viel zu wenig thematisiert werden?

Unter den Sektoren der Energiewende würde ich mir mehr Aufmerksamkeit für den Gebäudesektor wünschen. Im Gebäudebestand steckt noch ein großes Potenzial, das erschlossen werden muss, unter Wahrung der Interessen von Eigentümern und Mietern. Ein wichtiges Thema, das noch zu wenig Aufmerksamkeit erhält, ist die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger.

Auch wenn die Zustimmung zu erneuerbaren Energien allgemein recht hoch ist, müssen wir die Menschen besser mitnehmen, sie informieren und ihnen die Sorgen nehmen. Dazu ist es erforderlich, mehr Geschichten zu erzählen und Erfolgserlebnisse zu teilen. Unter Beteiligung verstehe ich auch, dass die Bürgerinnen und Bürger vor Ort an neuen Energiewende-Projekten beteiligt werden, mit Mitsprache und finanzieller Beteiligung.

Nicht nur bei Strom, sondern auch in Bezug auf Wärme müssen wir umdenken, um klimaneutral zu werden.

Die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung ist sehr wichtig für den Klimaschutz. Denn 14 Prozent der CO2-Emissionen in Deutschland kommen aus dem Gebäudesektor, mit Fernwärme und Stromerzeugung sind es sogar rund 30 Prozent. Im Neubau hat sich die Wärmepumpe für die Wärmeerzeugung an die Spitze gesetzt. Mit zunehmender Stromversorgung aus erneuerbaren Energien ist das auch die Lösung für die Zukunft. Schwierig ist der Gebäudebestand mit seinem noch recht hohen Energieverbrauch, meistens noch mit fossilen Energien. Hier ist noch viel zu tun, aber auch das schaffen wir.

Was halten Sie vom Einsatz von Photovoltaik für die Wärmegewinnung in Privathaushalten?

Warum sollte ein privater Haushalt den selbst erzeugten Solarstrom nicht auch für die Wärmeerzeugung einsetzen? Für den Haushalt ist es besser, als den überschüssigen Strom einzuspeisen und andere Energieträger wieder einzukaufen. Vielleicht ist ein Wärmespeicher sogar interessanter als ein Batteriespeicher, um die Emissionen zu reduzieren. Aus Kostensicht werden Gas und Heizöl heute vermutlich noch zu günstig sein. Das Brauchwasser lässt sich bestimmt mit Solarstrom erwärmen. Für die Heizung wird der Strom vom Dach im Winter als einzige Stromquelle nicht ausreichen.

Sie haben mit Sicherheit auch noch einige wertvolle Tipps, worauf unsere Leser:innen achten sollten, wenn sie gerade einen Hausbau planen und von Anfang an möglichst energieeffizient vorgehen wollen.

Wer jetzt neu baut, sollte sich nicht an den Mindeststandards orientieren. Ein Effizienzhaus 55 sollte es mindestens sein, besser Effizienzhaus 40 oder 40 plus. Die Förderung für ein Effizienzhaus ist seit Beginn 2020 sehr attraktiv und lohnt sich für jeden Bauherrn. Damit hat man den Energiebedarf weitestgehend reduziert und kann einen Teil des verbleibenden Bedarfs mit erneuerbaren Energien decken. So ist das Haus für die Zukunft gerüstet. Wichtig ist, auf eine gute Ausführung zu achten, idealerweise baubegleitend mit einem unabhängigen Energieberater.

Unser DZ4 Fazit

Bei der Energiewende in Deutschland findet sich gerade im Bestandsbau noch großes Potenzial – das konnte auch Herr Kühl noch einmal deutlich machen. Der Umstieg auf 100 Prozent erneuerbare Energien macht leider nur wenig Sinn, wenn viele Menschen noch immer in unsanierten Gebäuden aus den 50er- und 60er-Jahren leben. Hier kann selbst die besonders effiziente Kombination aus Wärmepumpe und Photovoltaik-Anlage nur wenig bewirken.

Wichtige Schritte bei der Energiewende sind also nicht nur der Ausbau erneuerbarer Energiequellen, sondern auch die Sanierung vieler Bestandsbauten und eine vermehrte Orientierung an Effizienzhausstandards im Neubau. Nur so können wir den gesamten Energiebedarf auch sinnvoll mit erneuerbaren Energien abdecken und uns vollständig von fossilen Energieträgern lösen.

Weitere Interviews in dieser Reihe: Volker QuaschningTimo Leukefeld und der Zukunftsrat Hamburg